Wie mache ich aus einem Rennrad ein Gravelbike?

Du möchtest die Asphaltwüste hinter dir lassen und dich auf etwas ruhigere und entlegenere Strecken begeben, ohne dein Fahrrad zu wechseln? Hier findest du unsere Tipps, wie du dein Rennrad in ein Gravelbike verwandelst.

Wie mache ich aus einem Rennrad ein Gravelbike?

1. Das Gravelbike: ein vielseitiges Fahrrad sowohl für Straße als auch Gelände

Ein Gravelbike ist eine Art Mittelding zwischen einem Rennrad, einem MTB, einem Querfeldeinrad und einem Trekkingbike. Wir erklären euch alles, was ihr wissen müsst und warum ihr ein Gravelbike unbedingt mal ausprobieren solltet, sei es für die gemütliche Tour am Wochenende, das Pendeln zur Arbeit, das Entdecken neuer Wege vor deiner Haustür oder für eine Radreise – es gibt so viele gute Gründe für ein Gravelbike!

Ja klar, Gravelbikes sind gerade der letzte Schrei, aber nicht jeder möchte gleich in ein neues Fahrrad investieren. Außerdem hat ja auch gar nicht jeder ausreichend Platz für mehrere Fahrräder. Kein Problem, schließlich haben Rennrad und Gravelbike eine gemeinsame Basis. Wir geben dir Tipps, wie du dein Rennrad schnell in ein Gravelbike verwandelst.  Um jegliche Fehlfunktionen oder Montageprobleme an deinem künftigen"umgewandelten "Gravelbike von vorne herein auszuschließen, solltest du jedes Mal die Teile, die dir für dein Rennrad interessant erscheinen, auf ihre Kompatibilität hin prüfen.

2. Umwandlung deines Rennrads in ein Gravelbike: los geht‘s mit den Laufrädern

Grundsätzlich sollte ein Gravelbike Offroad-geeignete Laufräder haben. Deshalb musst du zuallererst die Reifen wechseln. Während bei einem Rennrad die Lauffläche auf ein Minimum beschränkt ist, um die Bodenhaftung so gering wie möglich zu halten, legt man bei Gravelbikes Wert auf breitere Reifen für unwegsameres Gelände und mehr Haftung bei feuchterem Wetter. Einige Rennräder verfügen über Felgen und Gabeln, die mit bis zu 35 mm breiten Reifen gefahren werden können, was ein guter Anfang zum Fahren auf nicht zu anspruchsvollen Wegen ist. Während wir bei unserem Rennrad eher glatte Reifen bevorzugen, suchen wir für ein Gravelbike nach Reifen mit Profil für mehr Grip auf verschiedenen Untergründen.

Achte darauf, dass der Reifen nicht Rahmen oder Gabel berührt und genug Platz für Erde vorhanden ist, ohne den Reifen zu beschädigen.
Für intensivere Fahrten mit dem Gravelbike solltest du auch unbedingt die Felgen wechseln. Gravelfelgen aus Aluminium können meist besser Stöße absorbieren, denen du beim Offroad-Fahren ja permanent ausgesetzt bist. Mit ihnen kannst du auch technisch anspruchsvollere Wege fahren, da du breitere Reifen aufziehen kannst, sofern deine Gabel das zulässt. In jedem Fall musst du vorab überprüfen, ob die gewünschten Felgen mit deinem Fahrrad kompatibel sind!

Jetzt haben wir über Reifen und Felgen gesprochen, bleibt noch das Thema Schlauch vs. Tubeless. Mit Tubeless kannst du mit deutlich weniger Druck auf den Reifen fahren und hast dadurch mehr Haftung und Komfort. Dieser Artikel soll weder Tubeless propagieren noch eine Diskussion zum Thema Tubeless vs. Schlauch sein (dazu gibt es dann einmal einen separaten Artikel), es soll lediglich darauf hingewiesen werden, dass man sich beim Gravel grundsätzlich zwischen den beiden Varianten entscheiden muss. Bei der Wahl von Felge und Reifen macht es Sinn, sich mit der beabsichtigen Nutzungsart zu befassen und dementsprechend auszurüsten.

Wie mache ich aus einem Rennrad ein Gravelbike?

3. Der Lenker: Vibrationen abfedern und das Gleichgewicht finden

Abfahrten sind auf der Straße meist der Moment zum Entspannen und Kraft tanken. Beim Gravel sind Abfahrt hingegen eine ganz eigene Disziplin. Wie bei jeder anderen Tätig auch kann man sich mit der geeigneten Ausrüstung das Leben vereinfachen.
Das Lenkerband lässt sich einfach, schnell und ohne größere Kosten austauschen und ist deshalb die erste Sache, die ich umrüste, wenn ich mehr Gravel fahren möchte. Ich wähle ein dickes, weiches und gut gepolstertes Band, um die Vibrationen zu absorbieren. Es kann teilweise sogar interessant sein, das Lenkerband doppellagig anzubringen, um eine noch komfortablere Polsterung für Handflächen und Gelenke zu schaffen.
Du kannst natürlich auch Gelbänder verwenden.

Wenn du intensiver Gravel fahren möchtest und Fahrten auf instabilem Schotter oder Sand planst, kann es durchaus Sinn ergeben, sich einen Gravellenker anzuschaffen. Gravellenker zeichnen sich durch ihren Flare aus. Viele wundern sich über die Funktion dieser seltsamen Form. Letztlich soll sie einfach für mehr Stabilität und Gleichgewicht sorgen. Es ist eigentlich ganz einfach. Das Gleichgewicht eines Radfahrers wird hauptsächlich durch zwei Faktoren beeinflusst: seinen Schwerpunkt (je tiefer der Schwerpunkt, desto stabiler) und den Abstand der Arme (je größer der Abstand, desto stabiler). Ein Lenker mit Flare ermöglicht eine Position mit tiefem Schwerpunkt und weit voneinander entfernten Armen, sodass sich dein Gleichgewicht auf dem Fahrrad verbessert.

Wie mache ich aus einem Rennrad ein Gravelbike?

4. Glatte Wände hochfahren? Unsere Tipps für die Antriebsgruppe

Während Anstieg auf Straßen meist gerade, regelmäßig und mit einigermaßen akzeptablen Steigungsprozenten aufwarten, trifft man beim Gravelbikefahren schon mal auf ganz schön steile Hänge mit recht instabiler Oberfläche. Damit du dir alle "Wegemöglichkeiten offen"halten kannst, kann das Wechseln der Kassette und die Wahl des größtmöglichen Ritzels sinnvoll sein. Im Handel verfügbare Gravelbikes sind in der Regel mit nur einem Kettenblatt ausgerüstet. Dein Rennrad hingegen hat sicherlich zwei Kettenblätter. Aus meiner Sicht kann es sinnvoll sein, bei zwei Kettenblättern zu bleiben, da dies in steilen Abschnitten, die bei Offroadstrecken gerne mal vorkommen, mehr Freiheit bietet.

Außerdem ist das Gravelbike noch recht jung, weshalb Streckenplaner diese Fahrpraxis noch nicht so sehr auf dem Schirm haben, sondern eher an MTBs und Rennräder denken. Ich radle jetzt seit fünf Jahren quer durch die Welt und insbesondere in Europa gerate ich immer wieder auf Wege, die ich mit meinem Gravelbike nicht passieren kann. Deshalb ist mein erster Reflex beim Wechseln auf Gravel immer, meine Pedale auf SPD zu wechseln, damit ich im Zweifel schneller ausklicken und mich besser bewegen kann, wenn ich mein Fahrrad über Hindernisse tragen muss.

Ein Gravelbike bedeutet Freiheit: jeder kann es perfekt an die persönlichen Bedürfnisse anpassen!

Egal, wie groß oder klein dein Budget, deine handwerkliche Geschicklichkeit oder die dir zur Verfügung stehende Zeit ist – mach dir deshalb keinen Stress. Ein Gravelbike bietet dir einfach jede Menge Freiheit und Spaß ganz nach deinem Gusto – egal, ob du auf Geschwindigkeit, Technik oder Abenteuer stehst. Manchmal reicht es schon, die Reifen zu wechseln, um auf Waldboden fahren und den Straßenverkehr hinter dir lassen zu können. Andere machen aus dem Gravelbiken eine regelrechte Wissenschaft. Jedem Tierchen sein Pläsierchen und somit auch seine eigenen Entscheidungen in puncto Fahrradausstattung!

Hinweis: Bitte vergewissere dich vor der Anwendung unserer Tipps zur Umrüstung, dass die Umbauten an deinem Fahrrad nicht deine Garantiebedingungen beeinträchtigen!

Wie mache ich aus einem Rennrad ein Gravelbike?

Maximilian

Als deutsch-französischer Immigrantensohn fühle ich mich eher als Weltenbürger, denn einer einzelnen Nationalität zugehörig. Das Verlangen, immer neue Landschaften, Kulturen und Sprachen zu erkunden, gepaart mit meiner Liebe für Ausdauersport und das Über-mich-Hinauswachsen haben mich zu dem Entschluss geführt, mein festes Dach über dem Kopf ein für alle Mal aufzugeben. Ich bin also ein Nomade auf zwei Rädern, der ewig auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist. Das Fahrrad: mein Freiheitsgarant, den ich gerne mit all jenen teilen möchten, die sich noch nicht getraut haben, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen.