Wandern im regen - das solltest du für deinen regenschutz beachten

Regenjacke, Regenhose & Poncho: Lese jetzt, warum sich das Wandern auch bei Regen lohnt und was es in puncto Regenschutz zu beachten gibt.

Wandern im Regen

Ja, es gibt sie: Die Schönwetter-Wanderer, die nur dann wandern gehen, wenn das Wetter mitspielt. Dabei kann eine Wanderung bei Schmuddelwetter sogar richtig Spaß machen und viele Landschaften versprühen gerade bei Regen ein ganz besonderes Flair. Zudem ist in einigen Wandergebieten praktisch ganzjährig mit Niederschlag zu rechnen. Schließlich ist es auch in unseren Breitengraden nicht ungewöhnlich, beim Outdoorsport von einem plötzlich einsetzenden Regenschauer oder Gewitter überrascht zu werden. Hier erfährst du, welche Regenkleidung du zum Wandern benötigst und was du beachten sollest, um unterwegs trocken zu bleiben.

Von der regenjacke bis zum trekkingschirm: der richtige regenschutz beim wandern 

Entgegen der weit verbreiteten Meinung besteht die Funktion von Regenkleidung nicht ausschließlich darin, Regen und Nässe zu abzuhalten. Stattdessen sollte moderne Funktions- und Outdoorkleidung einen Rundum-Schutz bieten und den Körper sowohl vor dem Eindringen von Feuchtigkeit als auch vor Wind und Kälte schützen. Denn während sich nasse Wanderkleidung in erster Linie unangenehm anfühlt, kann die Kombination aus Nässe, Kälte und Erschöpfung im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Das gilt insbesondere beim Winterwandern. Je nach Länge und Art der Wanderung, Wetterlage und deinen individuellen Vorlieben kommen als Regenschutz entweder eine klassische Regenjacke, eine funktionale Outdoorjacke, ein Regenponcho oder auch ein Trekkingschirm infrage. Zusammen mit der passenden Regenhose, Gamaschen und Regenhut bist du selbst für den heftigsten Wolkenbruch bestens gerüstet. 

Klassische regen- vs. outdoorjacke 

Lange Zeit wurden Regenjacken (Hardshelljacken) ausschließlich aus robusten, zu fast 100 % wasserdichten Materialien gefertigt. Derartige Regenjacken, zu denen beispielsweise auch der beliebte Friesennerz zählt, sind ideal für kurze, starke Regenschauer. Zum Wandern sind sie aufgrund ihrer fehlenden Atmungsaktivität aber eher ungeeignet. Bei modernen Wander- und Outdoorjacken setzen die Hersteller stattdessen auf wasserundurchlässige Membranen (wie beispielsweise Goretex oder Sympatex), die auf der einen Seite verhindern, dass Wasser von außen eindringt, auf der anderen Seite aber einen stetigen Luftaustausch ermöglichen, solange die Jacke trocken ist. So bietet dir die Jacke nicht nur Schutz vor Regen und Feuchtigkeit, sondern schützt dich ebenfalls vor Wind und Kälte, ohne dass du nach kurzer Zeit nassgeschwitzt bist. Allerdings unterscheiden sich auch Wanderjacken ebenfalls ihrer Dichtigkeit. Die so genannte Wassersäule gibt Aufschluss darüber, bis zu welchem Wasserdruck ein Material dicht bleibt. Ab einer Wassersäule von 800-1300 mm kann ein Stoff als wasserdicht bezeichnet werden. Das bedeutet, dass das Material so lange keine Feuchtigkeit durchlässt, wie eine 0,8 -1,3 Meter hohe Wassersäule auf ihm lastet. Generell gilt: Je länger du dich im Regen aufhältst und je extremer die Wetterbedingungen im Wandergebiet, desto höher sollte die Wassersäule ausfallen. Für kurze, überraschende Regenschauer ist eine leichte, wasserabweisende Wanderjacke aus Softshell in der Regel völlig ausreichend, während du bei anspruchsvollen Bergwanderungen immer auch eine extra-wasserdichte Regenjacke einpacken solltest. Um die Wasserdichte deiner Wanderleidung zu erhöhen und auch Rucksack und Kamera vor dem Nasswerden zu schützen, kannst du aber auch auf einen Regenponcho zurückgreifen.

Der regenponcho

Unter einem Regenponcho oder Regencape versteht man einen leichten, weiten Regenumhang, der bei Bedarf über die Kleidung gezogen wird. Der Abstand zum Körper ist dabei relativ groß, sodass 

… der Poncho auch problemlos über Regenjacke und Wanderrucksack getragen werden kann
… du weniger stark schwitzt als beim Tragen von Regenjacke und Regenhose
… auch ein Fotografieren bei Starkregen möglich ist (die Kamera verschwindet dann ebenfalls unter dem Poncho)
… das Wasser besser abfließen kann.

Allerdings hat der Regenponcho nicht nur Vor-, sondern auch diverse Nachteile. Durch seinen weiten Schnitt bietet er Wind und Regen eine größere Angriffsfläche. Bei windigem Wetter oder Sturm kann es daher schnell passieren, dass dir der Poncho um die Ohren fliegt oder das Wasser von der Seite eindringt. Außerdem ist die Sicht auf den Boden stark eingeschränkt, was insbesondere in schwierigem Gelände gefährlich werden kann. Auch der Einsatz von Wanderstöcken ist in Kombination mit einem Regenponcho nur schwer möglich. 

Regenponcho

Wandern mit regenschirm

Ein Regenschirm eignet sich nicht nur zum Einkaufen. Auch beim Wandern kann der kleine, handliche Regenschutz Anwendung finden. Allerdings gehen die Meinungen hier stark auseinander. Fakt ist aber: Es gibt Gründe, die für und gegen die Nutzung eines Regenschirms beim Wandern sprechen.

PRO:
+ Geringeres Schwitzen (gerade bei wärmeren Temperaturen von Vorteil)
+ Auch der Rucksack bleibt trocken
+ Geringes Gewicht
+ Kein ständiges An- und Ausziehen bei Wetterumschwüngen
+ Gleichzeitig Schutz vor Sonneneinstrahlung

CONTRA:
- Einsatz von Wanderstöcken ist nicht möglich
- Kein Schutz vor Wind und Kälte
- Kein Regenschutz bei Wind und Regen von der Seite (Schirm wird zum Windsegel!) 

Planst du eine anspruchsvolle, womöglich mehrtägige Wanderung im Gebirge oder bist du im wahrsten Sinne des Wortes „bei Wind und Wetter“ draußen unterwegs, wird ein Regenschirm als alleiniger Schutz in den meisten Fällen nicht ausreichen. Gerade spezielle Trekkingschirme sind jedoch echte Fliegengewichte und überzeugen zudem mit einem geringen Packmaß. Daher bietet sich die Mitnahme eines Schirms als zusätzlichen Regenschutz sowohl auf kürzeren als auch auf längeren Wanderungen an. 

Regenhose: die ideale ergänzung zu regenjacke oder poncho 

Die Regenhose ist ein echter Allrounder und sollte daher auf keiner Wanderung fehlen. Als Pendant zu Jacke oder Poncho sorgt sie dafür, dass die Hosenbeine auch bei Wind oder Spritzwasser trocken bleiben. Darüber hinaus kann sie ebenfalls als wärmende Überziehhose über der normalen Wanderkleidung getragen werden. Regenhosen mit durchgehenden Seitenreißverschlüssen können dabei bequem an- und ausgezogen werden, ohne dass du dabei die Schuhe ausziehen musst. In extrem kalten Wandergebieten oder beim Winterwandern ist eine gefütterte Regenhose ideal. Ähnlich wie bei den Regenjacken, unterscheidet man auch bei Regenhosen zwischen komplett wasserdichten Modellen und Hosen mit Membran. 

Regenhose

Suchst du eine Hose, die du nicht nur bei Regen, sondern unter anderem auch in den kühleren Morgenstunden tragen kannst, solltest du dich definitiv für eine Regenhose mit atmungsaktiver Membran entscheiden. Steht für dich hingegen die Wasserundurchlässigkeit im Vordergrund, weil dich die Hose nur bei Regenwetter schützen soll, kannst du die Atmungsaktivität hier vernachlässigen, zumal diese ohnehin nur im trockenen Zustand gegeben ist. Möchtest du die Regenhose im Sommer über eine kurze Wanderhose ziehen, ist ein Netzfutter wichtig, um zu verhindern, dass die Hose am Bein kleben bleibt, was nicht nur unangenehm ist, sondern auf Dauer auch das Material schädigen kann. Die Bündchen der Hose sollten nicht zu eng und im Idealfall in der Weite verstellbar sein. Andernfalls rutschen die Hosenbeine leicht nach oben, woraufhin Wasser in die Schuhe laufen kann. Aus demselben Grund sollte die Hose keinesfalls zu kurz ausfallen. Wähle im Zweifelsfall lieber ein Modell mit längeren Hosenbeinen. Für einen möglichst bequemen Transport im Rucksack solltest du außerdem das Gewicht und das Packmaß der Hose im Blick haben. 

Das richtige schuhwerk für regentage

Auch wenn es dich vielleicht überrascht: Gummistiefel sind bei Regenwanderungen ein absolutes No-Go. Zwar bieten sie einen optimalen Schutz vor Wasser und Feuchtigkeit und, bei hochwertigen Modellen, ebenfalls einen hohen Tragekomfort und sind zudem leicht zu reinigen. Jedoch geben sie dir in der Regel nicht genügend Halt und bergen vor allem auf Wanderungen abseits befestigter Wanderwege ein hohes Sturz- und Verletzungsrisiko. Abgesehen davon sind Gummistiefel nicht atmungsaktiv, weswegen sie schwitzige Füße und Blasen begünstigen. Wanderschuhe aus Leder oder mit atmungsaktiver Gore-Tex-Membran sind hier definitiv die bessere Wahl. Sie halten deine Füße warm und trocken und überzeugen gleichzeitig mit einem angenehmen Tragegefühl und einem bestmöglichen Schuhklima. 

Beinlinge, gamaschen und co.: weiteres zubehör für entspannte regenwanderungen 

Was Gewicht und Flexibilität angeht, stellen Beinlinge eine günstige und praktische Alternative zur Regenhose dar. Die „abgeschnittenen Hosenbeine“ können seitlich in den Gürtel eingehängt werden und bieten dir, zusammen mit einer längeren Regenjacke ebenfalls zuverlässigen Schutz vor Nässe. Gamaschen schließen die Lücke zwischen Wanderschuh und Hose und sorgen so dafür, dass die Schuhe bei starkem Niederschlag oder beim Wandern im Schnee nicht durchnässen. Gerade wenn du eine kürzere Wanderhose trägst, die nicht vollständig mit dem Schuh abschließt, ist die Verwendung von Gamaschen empfehlenswert. Bedenke jedoch, dass durch das Tragen von Gamaschen nicht nur Wasser abgehalten, sondern auch die Luftzirkulation eingeschränkt wird. Unter Umständen beginnen deine Füße also schneller zu schwitzen. Überschuhe kommen vor allem in den Situationen zum Einsatz, in denen du dich wenig bewegst, ein Durchnässen der Schuhe aber unumgänglich ist, wie beispielsweise beim Kanufahren. Genau wie Gamaschen und Beinlinge sind auch Überziehschuhe in der Regel nicht atmungsaktiv und nehmen obendrein wertvollen Platz weg. Für bewegungsintensive Outdoorsportarten wie das Wandern kommen sie deshalb eher nicht infrage. Eine Ausnahme sind Winterwanderungen bei Temperaturen im Minusbereich: Hier können sie einem Auskühlen der Füße entgegenwirken. Um zu verhindern, dass Wasser in den Kragen der Regenjacke läuft und um auch das Gesicht vor Regen und Feuchtigkeit zu schützen, lohnt sich die Anschaffung eines Filzhuts oder eines beschichteten Schlapphuts. Regenhüte sind Sonnen- und Regenschutz in einem und können je nach Modell platzsparend im Rucksack verstaut werden.

Trocken bleiben trotz regenwetter: weitere tipps für das wandern im regen 

1. Ein positives Mindset: 
Es gibt kein schlechtes Wetter es gibt nur schlechte Kleidung! – Mit der richtigen Einstellung wird auch eine Wanderung im Regen zu einem unvergesslichen Naturerlebnis.

2. Die Streckenwahl: 
Aufgrund der hohen Rutschgefahr solltest du bei Regen, und insbesondere bei Gewitter auf schwierige Routen und Bergwanderungen besser verzichten. Wähle stattdessen leichtere Touren im flachen Gelände.

3. Vorsicht bei Gewitter: 
Aus Sicherheitsgründen solltest du dich während eines Gewitters, wenn möglich, nicht im Freien aufhalten. Plane deine Routen bei Gewitterwarnungen so, dass du auch kurzfristig die Möglichkeit hast, unterwegs einzukehren (z.B. in einer Gaststätte oder einem Café) oder die Wanderung abzubrechen. Auch die Verwendung eines Regenschirms ist bei Gewitter tabu.